Alte Vinyl Platten digitalisieren lohnt sich nicht, oder doch?

Von DJ Rewerb | DJ Tipps

Alte Vinyl Platten digitalisieren lohnt sich nicht, oder doch?Vor einem Monat hatte ich mir ein Ziel gesetzt: Ich will nicht mehr auf Schallplatten angewiesen sein.

Zuvor musste ich für Partys mit gemischter Musik immer einen Plattenkoffer mit einhundert Vinyls mitbringen, mit Liedern die ich nicht als Musikdateien gespeichert hatte.

Als mobiler DJ musste ich sogar zwei Plattenspieler mitnehmen. Dadurch musste der DJ-Tisch einen Meter breiter sein, um die Plattenspieler aufstellen zu können.

Mit diesem Zusatzaufwand sollte jetzt Schluss sein und ich habe mich daran gemacht alle Schallplatten zu ersetzen. Das gestaltete sich etwas aufwändiger als ich geplant hatte.

Vinyl schrittweise ersetzen

Die Entscheidung fällte ich nicht von gestern auf heute. Über die letzten zwei Jahre habe ich damit begonnen alle House Classics auf das MP3-Format umzustellen. Das war einerseits notwendig, weil ich in einer Club-Location nur Platz für einen Plattenspieler als zusätzliches Abspielgerät hatte.

Außerdem spiele ich im Houseschuh Podcast einmal im Monat nur Klassiker. Die meisten älteren Houseklassiker hatte ich sowohl auf CD- als auch als Vinyl-Maxi.
Deshalb habe ich diese Songs einfach von CD rippen können. Live legte ich dagegen auch lange Zeit wieder mit CDs auf.

Schallplatten, die ich nicht ersetzen kann

Bei meiner Plattensammlung mit gemischter Musik der 80er und 90er sowie 00er sah die Lage viel komplizierter aus. Denn darunter sind einige Maxis mit Spezial-Extended-Versionen die ich nur auf Schallplatte besitze. Doch ohne diese Musik konnte ich keine gemischte Musik auflegen.

Zwar habe ich meinen Plattenkoffer auf die wesentlichen 100 Maxis reduziert. Mir war klar, dass es eine Mammut-Aufgabe werden würde, die letzten einhundert Songs zu digitalisieren. Dazu bin ich in drei Schritten vorgegangen.

Welche Platten muss ich überhaupt digitalisieren?

Zunächst beobachtete ich mich bei den Gigs, welche Lieder ich wirklich noch von Vinyl spiele. Diese Platten steckte ich nach jedem Gig nach hinten in den Plattenkoffer.

Bei den Gigs machte ich mir außerdem Notizen, welche Lieder ich zwar gerne gespielt hätte, aber nicht mehr dabei hatte. Bei den nächsten Gigs nahm ich diese Schallplatten wieder mit.

Auf diese Weise dünnte sich mein Plattenkoffer nach einem halben Jahr von selbst aus.

Welche Remix-Versionen besitze ich auf CD?

Dann schrieb ich jedes Lied in eine Tabelle. Anhand dieser Liste mit 69 Liedern ging ich meine Sampler-CDs durch und markierte die Songs, die ich auf CD besitze. Knapp ein Drittel (21 Lieder) hatte ich auf Maxi-CD oder auf einem CD-Sampler wie Fetenhits, Party Power Pack oder Pop & Wave.

Ich hätte mir besser gleich noch die exakte Laufzeit des Lieds und den Remix-Namen aufschreiben sollen. Das bemerkte ich jedoch erst später.

Fehlende Lieder nachkaufen statt digitalisieren

Anschließend suchte ich die restlichen Titel bei iTunes. Bei jedem Lied benutzte ich Interpret und Titel als Suchbegriff. Dort wechselte ich in die iTunes-Übersichtsseite mit allen Songs und sortierte die Liste absteigend nach der Spielzeit.

Jetzt musste ich nur noch den Mixnamen und die Laufzeit abgleichen. Bei manchen Liedern ist das gar nicht so einfach, weil die Mixe zwar identisch sind, aber die Laufzeit um ein paar Sekunden abweicht.

Jedenfalls verbrachte ich drei Nachmittage damit, für die verbleibenden 48 Lieder einen passenden Ersatz zu finden. Bei manchen Liedern war die Tonqualität der Vorhörversion deutlich zu schlecht, sodass ich auf die iTunes-Versionen von Compilation-Ausgaben ausgewichen bin. Die jeweils beste Version speicherte ich schließlich auf meinem iTunes-Wunschzettel.

An einem Donnerstagabend war es dann soweit und ich kaufte alle Lieder in einem Rutsch. Danach machte ich mich daran die Dateien in das MP3-Format zu konvertiert, so wie ich es hier im Blogpost mit zwölf Schritten beschreibe.

Besser gleich eine CD zum Digitaliseren verwenden

An dieser Stelle fügte ich auch die gerippten CD-Fassungen zu dem Ordner hinzu. Nachdem die Lieder einheitlich getagged waren, importierte ich alle Lieder in eine Vinyl-Ersatzliste in Rekordbox und begann damit die Lieder auf unterschiedliche Playlisten zu verteilen.

Dabei orientierte ich mich an meiner alten Vinyl-Sortierung, was jedoch nicht immer sinnvoll ist. Manche Lieder fügte ich einfach der bestehenden Ordnerstruktur hinzu, ohne eine eigene Rekordbox-Kategorie anzulegen.

Vinyls heraussuchen, bei iTunes suchen und nachkaufen klingt einfach, oder?

Deshalb plante ich anfangs nur einen Samstagnachmittag Arbeit dafür ein. Allerdings wurde mir am Sonntagabend klar, dass es viel länger dauern würde, als ich geplant hatte.

In einer Woche stand ein Gig an, bei dem ich definitiv keine Plattenspieler mehr mitnehmen wollte. Ich hatte also noch sechs Tage Zeit die Musik auf digitale Dateien umzustellen.

Vielleicht ist es manchmal ganz gut, unter Zeitdruck zu stehen. Sonst würde ich mich heute noch damit beschäftigen die ideale Version bei iTunes zu finden. Oder digitale Samplerausgaben so zusammenzustellen, dass ich möglichst viele Lieder für wenig Geld bekomme.

Ist dir Zeit wichtiger als Geld?

Im Endeffekt habe ich 88,69 Euro für Musik ausgegeben, die ich eigentlich schon besitze.
Doch die Alternative jede Schallplatte zu digitalisieren erscheint mir viel zu aufwändig.

Bei vier Schallplatten wird mir nichts anderes übrig bleiben als genau das zu tun.
Doch ich weiß, warum ich davor zurückschrecke die Schallplatten zu digitalisieren.

Vielleicht schreibe ich dazu bald eine Anleitung, wie ich die Schallplatte reinige, den Plattenspieler mit dem besten Equipment verbinde, eine Spezialnadel verwende, nach dem Digitalisieren jeden Knackser bearbeite und die Audiodatei normalisiere.

Solange ich eine Alternative habe, wie die Musik von CD zu rippen oder das Lied gleich digital zu kaufen, erspare ich mir den Aufwand. Es lohnt sich einfach nicht, 1,29 Euro zu sparen und stattdessen eine halbe Stunde pro Lied für das Digitalisieren zu verschwenden.

Wie ersetzt du deine Vinylsammlung? Schreibe deinen Tipp bitte als Kommentar weiter unten auf der Webseite.

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Über DJ Rewerb

Mein Name ist Thorsten. Unter meinem Künstlernamen DJ Rewerb schreibe ich über das DJing. Denn Auflegen ist viel mehr als Musik abzuspielen. Als DJ beschäftige ich mich mit Musik und Technik bis zu Marketing sowie der geschäftlichen Seite. Dabei will ich dir als virtueller DJ-Mentor helfen.

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(9) comments

Dirk 26. Juli 2016

Hi,
Ich zu meinen Teil habe die Platten einfach digitalisiert. Kurz eingepegelt, aufgenommen und nach mp3 konvertiert.
Wenn man mit Platten auflegt hat man den Ton auch nicht „steril“. Der ein oder andere leichte Knackser dürfte nicht stören. Eventuell bringt selbiger ein bißchen Ambiente. Zeitaufwand ca. Liedlänge +

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DJ Rewerb 26. Juli 2016

Hallo Dirk,

stimmt, ich muss immer Schmunzeln, wenn ich eine digitalisierte Rhihanna-Scheibe spiele und die Knackser nocht etwas zu hören sind.

Aber wie viel Zeit hast du pro Song investiert? Ich glaube dieser Teil wurde wegen eines Sonderzeichens abgeschnitten.

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Dirk 26. Juli 2016

Hallo Thorsten,
Oh, ja, stimmt.
Hier nochmal die Kalkulation:
Songlänge plus ca.1 minute Auspegeln plus ungefähr 3 minuten um nach 320er mp3 zu konvertieren incl. Tags.
Das Auspegeln dürfte Dir als ehemaliger Tapedeckuser noch im Blut liegen.
Solange ein gutes Frequenzband übertragen wurde, würde ich mir keinen Kopf machen wegen evtl vinyl Geräusche.
Ich selbst benutze dafür die concorde systeme. Bei Deiner Anzahl von Vinyl würde ich noch über ein besseres System nachdenken ala Ortophon Red o.ä. welches man vor dem Digitalisieren montiert.
Denn eins ist mal klar: Ein großteil der Spezialversionen gibt es nur auf vinyl.

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DJ Rewerb 26. Juli 2016

Hallo Dirk,

ok, deshalb bist du so viel schneller. Ich rechne grob mit einer halben Stunde pro 8 Minuten Song.

Zunächst reinige ich die Schallplattenseite. Dann spiele ich den Song einmal mit einer alten Nadel ab, um den Dreck aus den Rillen zu holen. Dauert also schon mal 12 Minuten.

Danach starte ich die Digitalisierung. Dafür habe ich mir das System Ortofon Concorde Arkiv Spare Stylus mit elipitischer Nadel zugelegt.

Die fertige WAV-Datei entknackse ich dann manuell. Und das dauert bestimmt noch einmal 10 Minuten. Alle Arbeitsschritte bis hierhin möchte ich nur einmal machen müssen.

Eigentlich müsste ich mich jetzt daran machen und alle WAV-Dateien noch einmal mit dem Fraunhofer-Encoder umzuwandeln.

Behältst du die Original-Dateien deiner Digitalisierungen oder nur die MP3-Version?

P.S.: Wann hättest du mal Zeit ein paar Curver-Boxen voll Platten zu überspielen? In meinem Keller würde ich dir auch ein paar Kästen Bier hinstellen 😉

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Dirk 26. Juli 2016

Ohh, würde ich jetzt Bier mögen könnte man da sicherlich schwach werden.
Aber ich trinke jahrzehnte schon keinen Alkohol mehr.
Ausserdem denke ich das die Anfahrt zu weit ist.
Zu deiner Frage: Ich behalte nur die mp3. Diese ist zudem „paranoid gesichert“. Desweiteren habe ich ja noch das original falls ich es nochmal benötige.

Für Dein vorgehen: Die ersten 12 minuten kannst Du Dir Sparen, oder zumindest kürzen. Du hast 2 Plattenspieler? Gut, dann läuft auf den ersten die Grobreinigung und auf dem 2ten wird digitalisiert.
Dann erstmal alles digitalisieren. Dann die Knackser raus machen. Die Konvertierung sollte dann per batch gehen, also overnight.

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Roderich 28. Juli 2016

Hallo Thorsten,
ich denke auch schon ein paar Jahre über eine komplette Neudigitalisierung meiner Vinylsammlung (ca. 1500 Stk.) nach.
Meine Idee: Zwischen Analog-Ausgang Plattenspieler und Soundkarte noch einen Phonoverstärker schalten, um ein bestmögliches Signal zu bekommen. Bei meiner Recherche im Netz habe ich herausgefunden, dass die Concorde-Systeme von Ortofon super für den Direkteinsatz sind, für die Digitalisierung aber eine schlechte Wahl darstellen. Ich habe mir mittlerweile eine hochwertige MC-Nadel von Audio-Technica (AT-OC9ML/II) organisiert. Desweiteren ein Nadelreinigungssystem, dass ich auf der HIGH END in München kennengelernt habe (Flux-Sonic). Habe mir zwei Phonoverstärker ausgeguckt, die ich im Direktvergleich testen wollte (Lehmannaudio und Pro-Ject). Dazu bin ich aber immer noch nicht gekommen. Ich habe in der Vergangenheit ca. 900 Tracks im Format mp3/192 kbit/s digitalisiert. Mitttlerweile benutze ich nur noch das nicht komprimierende AIFF-Format. Man hört den Unterschied zu mp3-Dateien zwar erst bei extremer PA-Beschallung (Stadion oder große Halle – speziell den Tiefbass), aber man weiß ja nie, wo man die Chance bekommt einmal aufzulegen.
Wenn es demnächst irgendwann konkret werden sollte, melde ich mich und gebe Dir einen Erfahrungsbericht.

Liebe Grüße
Roderich
aka DJ rodrigo

http://www.djrodrigo.de

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DJ Rewerb 2. August 2016

Hallo Dirk,

parallel zu arbeiten ist ein super Tipp.

Da lege ich Jahrzehnte mit zwei Plattenspielern auf. Aber meinst du, ich wäre auf die Idee gekommen einfach einen zweiten oder dritten Plattenspieler fürs Reinigen aufzustellen?

Das wird den Zeitaufwand schon mal dramatisch reduzieren. Vielen Dank!

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DJ Rewerb 2. August 2016

Hallo Roderich,

du bist wirklich in der High-End-Liga unterwegs. Danke für die vielen Technik-Tipps.

Die meisten Leute wollen nicht mal das Geld für einen automatischen Digitalisier-Plattenspieler ausgeben, das du in eine Nadel investierst 😉

Im Endeffekt beschreibst du genau das, was ich vermeiden möchte. Vermutlich tue ich deshalb lieber gar nichts. So wie der Hase, der wie paralysiert auf die Schlange starrt. Wie hast du früher deine Platten digitalisiert?

Wenn ich meine Platten digitalisiere oder CDs rippe, dann will ich diese Arbeit nur einmal machen müssen. Deshalb hebe ich auch alle WAV-Dateien auf.

Welche Soundkarte benutzt du zum eigentlichen Digitalisieren?

Viele Grüße,
Thorsten

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Benny 2. März 2017

Hallo Thorsten

Mittlerweile habe ich so gegen die 1000 Platten aus den 80er digitalisiert, vor allem Maxi Singles aber auch diverse LPs. Ich brauche im Schnitt pro Platte 2 Std. bis 2.5 Std. Als Plattenspieler verwende ich einen Technics MK1210 mit einer Ortofon Arktiv, ab und zu je nach Platte kommt auch ein Broadcast PickUp zum Einsatz. Dies vor allem wenn die Quali nicht genügend ist. Als Mischpult kommt ein hochbetagtes LEM DM82 (komplett revidiert) zum Einsatz. Als Software verwende ich Wavepurity. Mein Fazit, es ist eine Arbeitsintensive Geschichte, manchmal auch nerveaufreibend.

LG Benny

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